Salzeier (Salt Eggs) | Soleier auf Asiatisch


Ein Kerl braucht Eier! Sagt man so. Eier sind ein Synonym für Männlichkeit. In den meisten asiatischen Küchen steht der Verzehr von tierischen Testikeln als Fruchtbarkeitsbeschleuniger für den Mann ganz oben auf der Skala. ‚Makes you strong‘ – hab ich in China, in Korea, in Malaysia und hastenichtgesehen gehört, wenn derlei Gerichte serviert wurden. Doch hier driftet es ab – ich rede hier nicht von Testikeln, sondern von der Art von Eiern, die, nicht nur ob ihrer Zerbrechlichkeit, für viele andere Redewendungen herhalten müssen. ‚Jemanden wie ein rohes Ei behandeln‘ kennt jeder! Und hat jeder auch schon erlebt. In Szenen aus zwischenmenschlichen Beziehungen oder auch im geschäftlichen Umgang. Wir sind alle ’nur‘ Menschen und besonders im Zeitalter der elektronischen Kommunikation bekommt diese Redewendung oft einen ganz neuen Stellenwert. Das (elektronisch) schnell geschriebene Wort kennt keine Untertöne, jegliche Zweideutigkeiten werden schnell falsch aufgefasst. Wir sollten uns gegenseitig ausschliesslich ‚wie rohe Eier‘ behandeln. Oder wie etwas anderes leicht Zerbrechliches. Denn die Schale kann leicht zerbrechen.

Die Schale von Geflügeleiern ist aber auch durchlässig. Wusstet ihr das? Ich entführe euch, wieder einmal, nach Asien, wo Salzeier eine allgegenwärtige Beilage oder auch für sich alleine eine Delikatesse sind. Für viele wird die Herstellung dieser kulinarischen Exoten merkwürdig bis fragwürdig klingen, aber man muss es probiert haben, um sich ein Urteil bilden zu können. Okay, man mag sagen, Soleier gibt es auch hier – aber die Herstellung – und das Ergebnis(!) – unterscheiden sich massiv.

Eines vorneweg: Man sollte versuchen, Enteneier zu bekommen – von frei auf der Wiese lebenden Enten. Aber es geht auch mit Hühnereiern. Keine ausm Supermarkt, ja, nee, is klar! Schmeckt ein wenig anders, aber immer noch gut.

Die Originalrezepte aus Asien gehen etwas anders, aber das will ich eueren europäischen Geschmacksnerven und der Vorstellungskraft vorenthalten (auf Anfrage schreibe ich es gerne persönlich). Es gibt hier das ‚Alternativrezept‘, welches ebenfalls sehr gute Ergebnisse produziert und bereits eine gewisse ‚Abenteuerlust‘ erfordert 😉

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Zutaten:

10 Eier – vorzugsweise Enteneier, aber Hühnereier gehen auch

250 cc gutes Salz + die 4-fache Menge (also 1 Liter) Wasser

2 gehäufte EL aufgebrochene Szechuanpefferkörner

1-2 Sternanis

1/4 L Shaoxing Reiswein – oder japanischer Mirin (man kann hier gerne experimentieren)

Wasser mit dem Reiswein oder Mirin aufkochen und das Salz darin auflösen. Szechuanpfeffer und Sternanis dazugeben und weiter kochen bis  das Salz komplett gelöst ist. Vollständig abkühlen lassen.

Wenn die Lake kalt ist, die rohen (!) Eier mit heißem Wasser abspülen und dazu geben. Die Eier müssen vollständig von der Lake Bedeckt sein. Kleiner Tipp: Füllt einen ausreichend großen Zip-Loc-Beutel mit Wasser und legt den oben drauf 😉

Und nun setzt im Kalender einen Termin. 3 Wochen später! Und stellt die Schüssel mit dem Inhalt bei normaler Raumtemperatur beiseite. Im Keller dürfen es auch gerne 4 -5 Wochen sein. Spätestens jetzt werden viele fragen: ‚Hallo??‘ Sorry – aber ja! Das was hier passiert, nennt man Osmose (falls es jemanden interessiert). Die Eier erfahren hier eine Transformation, die ihresgleichen sucht. Die werden nicht ’schlecht‘! Ganz im Gegenteil! Ist so ähnlich, wie bei einem guten Schinken oder Käse. Reifung(!) ist die Devise!

Nach 3 Wochen kann man zum ersten mal probieren. Die Eier werden aus der lake genommen und ganz normal, so wie man es von rohen Eiern kennt, gekocht. In kaltes Wasser legen, aufkochen. eine Minute weiter kochen, dann die Temperatur abstellen und die Eier für 7-8 Minuten im Wasser liegen lassen. Unter kaltem Wasser abschrecken und schälen.

Klingt irgendwie ….ööhmmm…? Keine Sorge – die Eier sind nicht verdorben – ganz im Gegenteil! Was man damit macht? Man kann sie essen, so, wie sie sind….vielleicht mit etwas Senf? Sie sind eine treffliche Beilage für asiatische Suppen, wie Rawon, Soto Madura oder Soto Ayam – überall da, wo das Rezept nach gekochten Eiern verlangt.

Anything goes – man muss sich auch mal trauen, etwas auszuprobieren. Ich hatte das vorher mal recherchiert – es gibt bisher eigentlich kein deutschsprachiges Rezept für diese Zubereitungsart – also rein in die Experimentalküche – es lohnt sich!!

 

Kategorien:Asiatisch, UncategorizedSchlagwörter:, , , , , , , , , ,

8 Kommentare

  1. Klasse Artikel! Jetzt bin ich neugierig geworden! Da ich mich auf meinem Blog gerade mit Mooncakes befasst habe, die ja gerne mit besagtem gesalzenen Eidotter gefüllt werden, hätte ich nun zu gerne die asiatische Variante Deines Rezeptes erfahren. Da wäre zu nett! LG Petra

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    • Dankeschön, Petra! Bei der asiatischen Variante werden die Eier entweder in einer Pampe aus Salz, Holzkohlenasche und Wasser, oder aus Salz, Ameisenhaufenmaterial und Wasser verpackt….willst du nicht wirklich machen 😉 Die von mir beschriebene Methode funktioniert auch – am besten mit Shaoxing-Reiswein und mit Enteneiern. LG Tommy

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    • Kein Kommentar, eine Bitte: Schick mir doch bitte die asiatische Version dieses Rezeptes.

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      • Hallo Steffi, die Frage kam schon mal (siehe weiter oben „Bei der asiatischen Variante werden die Eier entweder in einer Pampe aus Salz, Holzkohlenasche und Wasser, oder aus Salz, Ameisenhaufenmaterial und Wasser verpackt….willst du nicht wirklich machen 😉 Die von mir beschriebene Methode funktioniert auch – am besten mit Shaoxing-Reiswein und mit Enteneiern.“ Ist aber nicht jedermanns Sache 😉 LG Tommy

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      • Steht doch schon oben drüber: „Bei der asiatischen Variante werden die Eier entweder in einer Pampe aus Salz, Holzkohlenasche und Wasser, oder aus Salz, Ameisenhaufenmaterial und Wasser verpackt….willst du nicht wirklich machen“

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