San Sebastian | Porrusalda



Wir saßen im Café Iruña. Nicholas fragte: „ Habt ihr den Stier gesehen, der den jungen Ochsen aufgespießt hat? Das war ziemlich heftig.“ „Wenig erstrebenswert, ein junger Ochse zu sein,“ entgegnete Marius. „Ach wirklich?“ sagte Nicholas. „ Ich dachte, dass es Dir Freude machen würde, ein junger Ochse zu sein, Marius.“ „Was meinst Du damit, Nicholas?“ „Die führen ein so ruhiges Leben. Die äußern sich kaum, aber sie sind immer präsent.“ Verlegenheit machte sich breit. Robert lachte. Marius war wütend. Nicholas sprach unbeirrt weiter. „Ich dachte, Du magst das. Hättest nie wirklich etwas zu sagen. Komm schon, Marius. Sag etwas. Sitz nicht einfach so rum.“

„Ich habe etwas gesagt, Nicholas. Schon vergessen? Über die jungen Ochsen.“

„Ja, komm, mach weiter. Sag etwas Lustiges. Wir haben doch alle Spaß hier.“

„Lass es gut sein, Nicholas.“ sagte Greta. „Du bist betrunken.“

„Ich bin keineswegs betrunken. Ich meine das sehr ernst. Sieht Marius Greta nicht ständig aus seinen jungen Ochsenaugen an?“

„Halt’s Maul“ sagte Marius und stand auf. „Halt’s Maul Nicholas.“

„Ach komm, spring nicht auf und tu so als ob Du mich schlagen wolltest. Ist mir völlig egal. Sag mir lieber, warum läufst Du Greta hinterher wie ein armer, verdammter junger Ochse? Merkst Du nicht, wann es genug ist? Du kamst nach Biarritz, wo Du unerwünscht warst, und bist Greta hinterher gestiegen, wie ein verdammter junger Ochse. Fandest das wohl toll. Keiner hat Dich zu den Parties eingeladen. Ich kann’s ihnen nicht verdenken. Kannst Du es? Sag schon, warum steigst Du Greta nach? Hast Du keinen Anstand?“

„Du bist der Richtige, um über Anstand zu reden.“ sagte Greta. „Du hast so wunderbar viel Feingefühl.“

„Komm schon, Marius“ sagte Robert. „Du steigst ihr wirklich nach.“ Robert stand auf und zog Marius hoch. Marius hatte Tränen in den Augen.

„Bleibt doch noch“ sagte Nicholas. „Marius gibt einen aus“. Robert zog Marius zum Ausgang.

Ich blieb noch eine Weile sitzen und sah in die Gesichter meiner Tischgefährten. Nicholas führte seinen Monolog fort. Greta blickte angewidert. „Ich wünschte, Du wärst nicht solch ein verdammtes Arschloch, Nicholas“ unterbrach sie ihn. „Nicht, dass er nicht recht hätte“ – sie wandte sich mir zu.

„Ich bin nicht so betrunken, wie es den Anschein hatte“ sagte Nicholas,

„Ich weiß“ sagte Greta.

„Ach kommt, wir sind alle nicht mehr nüchtern“ sagte ich.

„Aber musst Du das so breit treten?“ lachte Greta.

„Ich habe nur die Wahrheit gesagt. Was ein Arsch. Er kam nach Biarritz, hing ständig um sie herum, und glotzte sie an. Zum Kotzen!“

„Ja, er hat sich schlecht benommen“ sagte Greta.

„Hör Dir das an. Greta hatte ihre Affären. Sie gab mir Marius’ Briefe zu lesen. Aber ich hab’ sie nicht gelesen.“

„Nein, hör zu Jack (Nicholas nannte mich Jack, obwohl mein Name Johannes ist), Greta hatte etwas mit anderen Männern. Aber die waren nicht so mittelmäßig und sie hingen danach nicht um sie herum wie ein junger Ochse mit Tränen in den Augen.“

„Ach komm, Nicholas, verdirb uns nicht unseren Urlaub und die Fiesta“ sagte Greta.

„Dann sag ihm, verdammt nochmal, dass er sich benehmen soll!“ „Er wird sich benehmen. Ich sag’s ihm.“ „Sag’s Du ihm, Jack. Sag ihm, er soll sich benehmen oder verschwinden.“

„Ja, klar, mach’ ich“.

„ Greta, sag’ Jack, wie Marius Dich nennt. Das ist so perfekt, nicht wahr? Komm schon, sag’s ihm. Wir sind doch alle beste Freunde.“

„Nein, Nicholas, das werde ich nicht tun. Und Du wirst es auch nicht tun.“

„Er nennt sie Circe“ sagte Nicholas. „Verwandelt Männer in Schweine. Verdammt gut! Ich wünschte, ich wäre einer von denen.“

„Hat jemand für unser Gift bezahlt?“ fragte ich. „Ich möchte baden, bevor wir essen.

Auf der Rechnung standen siebenundzwanzig Pastis. Etwa zwei Flaschen. Das ist ein 45%iger Anisschnaps, der mit etwas Wasser verdünnt wird. Auf der französischen Seite des Baskenlandes wird ein Teil Pastis mit 5 Teilen Wasser verdünnt. Auf der spanischen Seite sagt man, mehr als 3 Teile würden das Zeug so verwässern, dass es allenfalls jugendlichen Fußballspielern als Durstlöscher taugt.

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Wie dem auch sei, das Abendessen war ein sehr angenehmes Mahl. Greta trug ein schwarzes, ärmelloses Schlauchkleid, das knapp über den Knien endete. Sie sah sehr schön aus. Nicholas tat, als wäre nichts geschehen. Ich musste nach oben gehen, um Marius zu holen. Er war ziemlich reserviert und angespannt und er konnte nicht aufhören, Greta anzustarren. Irgendwie schien ihn das glücklich zu machen. Am nächsten Tag sollte die Fiesta beginnen. Es war eines jener Abendessen, an die man sich gerne erinnert. Es gab viel Wein, baskischen Txakoli, in langem Strahl in einfache Gläser eingeschenkt, die Anspannung war ignoriert, und ein Gefühl von Schicksal, das sowieso niemand ändern kann, machte sich breit.  Der salzig-spritzige Wein machte die angewiderten Gefühle vergessen und ich fühlte mich gut.

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Und ein Tisch mit Freunden aß Porrusalda.

Zutaten für 6 Personen:

6 große Kartoffeln, geschält und gewürfelt

5 Karotten, geschält und in Scheiben geschnitten

1 kleiner Kopf Sellerie, gewürfelt

3 große Stangen Lauch, geputzt und in Scheiben geschnitten

4 Stengel Zitronengras, gesplittet

2 Zwiebeln, fein gewürfelt

8 Zehen Knoblauch, geschält und in 1 mm Scheiben geschnitten

80 ml Olivenöl

1,5 L Wasser

1 L Geflügel- oder Kalbsfond

1 Bund frischer Thymian

800 g Bacalao (Stockfisch), mind. 12. Std. gewässert, in Stücke geschnitten

1 Bind krause Petersilie, gewaschen und gezupft

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Olivenöl in einem Bräter oder Kochtopf erhitzen und Zwiebeln, Zitronengras und Knoblauch anschwitzen. Das Gemüse dazu geben und für 5 bis 7 min. weiter schwitzen. Mit Fond ablöschen, etwas einkochen lassen und mit Wasser auffüllen. Zum Köcheln bringen.

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Eineinhalb Stunden leicht köcheln lassen, dann den Thymian dazu geben.

Eine halbe Stunde weiter köcheln lassen, die Stengel vom Thymian rausfischen, und den vorbereiteten Stockfisch (Bacalao) und die Petersilie dazu geben. Für 10 min weiter köcheln, mit Salz und weißem Pfeffer abschmecken und servieren.

Have a nice fiesta!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kategorien:Basics, HausMANNSkost, UncategorizedSchlagwörter:, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

3 Kommentare

  1. Bacalao! Den liebe ich! Ich muss mich wohl mal wieder zum Viktualienmarkt bequemen, damit ich das hier auch mal auf den Tisch stellen kann. Danke für’s Erinnern 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Wird in der baskischen Küche Zitronengras verwendet? Ich hatte am Freitag eine baskische Fischsuppe gegessen, in der auch Zitronengras war. Es hatte mich gewundert und nun taucht es hier wieder auf…… Vermutlich schon, ich war aber selber noch nicht im Baskenland.

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