Marinierte Ölsardinen



Jeder kennt wohl Ölsardinen. Die kleinen Dosenfischchen kosten fast nichts. Studenten- oder Armeleuteessen! Das ist das Image der Sardinen und hängt sicherlich auch damit zusammen, dass der in Öl konservierte kleine Seefisch aus der Familie der Heringe in seiner nicht eben geräumigen Behausung zum Synonym für jede Art bedrohlicher Enge geworden ist. In der überfüllten U-Bahn, im Fahrstuhl, auf dem Oktoberfest, an einem Samstag an der Kasse des Großmarkts – überall, wo es keine Rücksicht mehr auf persönliche Distanzzonen gibt, fällt einem sofort die Ölsardine ein.

Doch seit einigen Jahren hat sich ein billiges Fischlein gehäutet und stieg zum Edelprodukt auf. Vorzugsweise aus der Bretagne oder aus Portugal. Die schicken, bunt bedruckten Blechkleider haben nichts mehr mit der hässlichen Dose des gewöhnlichen Produkts zu tun. Eigentlich auch nur ein in Öl konservierter Fisch, aber eben die Luxusausführung. Öl und Fisch müssen von besonderer Qualität sein und werden von Hand verlesen, verarbeitet und eingelegt. Das ist kein Armeleuteessen mehr, sondern eine kulinarische Delikatesse! Gibt es u.a. bei den Genusshandwerkern.

Rezeptklassiker wie Bratkartoffeln oder Spaghetti mit Ölsardinen kennt jeder, aber marinierte Ölsardinen? Lasst Euch überraschen – das schmeckt sensationell, nur mit geröstetem Weissbrot und einem guten Glas Weißwein oder auch leicht erwärmt über Pasta oder Kartoffeln.

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Zutaten für 4 Personen

4 Dosen gute Ölsardinen (bretonische, portugiesische oder italienische – müssen nicht unbedingt ‚Jahrgangssardinen‘ sein, aber klein und gut sollen sie sein!

1 Knolle Fenchel

1 große Karotte

2 Schalotten

Saft von 1 1/2 Orangen

100 ml bestes Olivenöl

100 ml Weinessig

150 ml Gemüsefond

je eine halbe unbehandelte (Bio) Zitrone, Limette und Orange – in halbierte Scheiben geschnitten

je 1 TL schwarze Pfefferkörner und Koriandersamen

je ein gehäufter EL abgezupften Thymian und Kerbel (alternativ Glattpetersilie, gehackt)

1 Chilischote, fein gehackt

Meersalz und schwarzer Pfeffer aus der Mühle

Etwas Kresse zum Bestreuen

Die Sardinen aus ihrem Blechkleid befreien, in ein Küchensieb geben und das Öl für 30 Min. abtropfen lassen. Fenchel, Karotte und Schalotten klein schneiden und in der Hälfte des Olivenöls bei milder Hitze anschwitzen. Mit dem Essig ablöschen und mit dem restlichen Olivenöl, Orangensaft und Gemüsefond auffüllen. Zitrusfrüchten, Gewürze und Kräuter dazu geben und kurz aufkochen. Auskühlen lassen.

Die Sardinen in eine große flache Schale oder Schüssel geben, wo sie den Boden in einer Lage bedecken. Marinade darüber schöpfen und mindestens 2 Stunden (bis zu 24 Stunden) gekühlt ziehen lassen. Mindestens 1-2 Stunden vor dem Servieren aus dem Kühlschrank nehmen und auf Zimmertemperatur kommen lassen. Mit gerösteten Weißbrotscheiben und ausreichender Menge guten Weißweins servieren – wie wäre es mit einem Tricó 2011? Eine Beschreibung des Weines und wo man ihn bekommt, findet ihr hier.

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Oder die marinierten Sardinen leicht erwärmen und in Anlehnung an die Klassiker mit Pasta oder Kartoffeln servieren – das geht am 2. Tag noch viel besser! Vielleicht mit ein paar Frühlingszwiebelringchen? Passen sehr gut dazu. Resteverwertung de Luxe! Guten Appetit!

Kategorien:Feine Küche, KlassikerSchlagwörter:, , , , , , , , , , , ,

4 Kommentare

  1. Hm…lieber Tommy das klingt hervorragend und ganz nach einem Abendessen für mich.
    Gerade vorgestern habe ich mich wieder wie eine Ölsardine gefühlt. Der Klassiker im Fahrstuhl. Kurz bevor sich die Tür schloss, sprang ein geschäftiger Anzugsträger noch in den ohnehin schon überfüllten Aufzug und nahm quasi dem ganzen kleinen Raum, bedingt durch sein penetrantes Parfum oder After shave, den Atmen. I love it! 😦 Wahrscheinlich sind aber auch Ölsardinen geruchstechnisch ziemlich abgehärtet, was so das Odeur des Nachbarn in der Dose betrifft. 🙂
    Am Montag halte ich nach einer schönen Dose Luxus-Kuschel-Sardinen Ausschau und werde das mal ausprobieren. Dann berichte ich Dir!

    Für Dich ein Wochenende ohne Sardinen-Feeling, dafür mit Hochgenuss.
    Tanja

    Gefällt 1 Person

  2. Herzlichen Dank für Deinen lieben Kommentar, Tanja – es müssen aber nicht unbedingt die sauteuren Jahrgangssardinen sein. Die sind als ‚Solisten‘, also ohne Marinade besser…sagt der Purist 😉
    Liebe Grüße aus der Testküche und auch Dir ein schönes Wochenende

    Gefällt 1 Person

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