Fleisch!



Dieser Beitrag über Fleisch (!) ist mir ein Anliegen. Ist mir wurscht, wieviele Leute das lesen, ist mir wurscht, wen das interessiert und es ist mir ganz besonders wurscht, wem ich damit auf den Schlips treten mag.

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Ich liebe Fleisch, in erster Linie Rindfleisch. Schweinefleisch mag ich nicht besonders, seit mich ein, mittlerweile verstorbener, Freund aus Australien damit angefixt hatte, dass das nach ‚Wasserleiche‘ schmeckt. Okay – es gibt auch gutes Schweinefleisch, aber er hatte wohl traumatische Erfahrungen. Was Schweinefleisch aus Massentierhaltung betrifft, hatte er jedenfalls recht.

Mit dem Rindfleisch, und darum geht es in diesem Beitrag, ist es so eine Sache. Es gibt einige Anbieter, die vor allem online, ihr, zumeist amerikanisches, Fleisch zu saftigen (Betonung auf ’saftig‘) Preisen verkaufen und auch ziemlich erfolgreich damit sind. Wer das ist? Ich scheue mich in keiner Weise, Namen zu nennen: Otto-Gourmet, Schulte & Sohn, Albers – um mal die Bekanntesten zu erwähnen. AMERIKANISCHES Rindfleisch schmeckt einfach gut. Basta! Warum ist das so?

Es liegt ganz sicher nicht an der artgerechten Tierhaltung oder Schlachtung – es liegt einfach daran, dass dort Rinderrassen gezüchtet werden, die einen guten Fleischgeschmack gewährleisten. Bei uns ist das nicht so – hier geht es um Tempo. Die Viecher müssen so schnell, wie möglich genug Gewicht erlangt haben, um schlachtreif zu sein. ‚Jungbulle‘! Hallo!!?? Haben sich die Fleischliebhaber schon mal überlegt, was das eigentlich heißt? ‚Jungbulle‘? Das ist eigentlich das Gleiche wie das sogenannte ‚Turboschwein‘ (das sind die Fleischstückchen ausm Supermarkt, die beim Braten etwa 50% an Volumen verlieren, weil das ganze Wasser rausläuft und dann kritisiert wird, dass die Pfanne nicht heiß genug war, das Fleisch im ‚eigenen Saft gekocht wurde‘ und man daraus kein wunderbares Gericht mehr zaubern konnte). Äääähhh!!

Aber: Amerikanisches Rindfleisch mag ja, wegen der Rasse, besser schmecken, als Deutsches – nur: die hübschen Bildchen, die in der Werbung von Rindern, die auf der weiten Prärie weiden, gezeigt werden, sind halt auch nur Marketing. Die Realität sieht leider anders aus. Auch dort wird skrupellose Massentierhaltung betrieben, über stressfreien Transport oder Schlachtung lachen die nur – und die Welt springt drauf und liebt amerikanisches Rindfleisch. Schuss nicht gehört?? Es liegt an der Rasse und an der Zeit, die die Rinder haben, um aufzuwachsen! Schmeckt garantiert besser! Immerhin müssen sich die amerikanischen Züchter, Schlacht- und Zerlegebetriebe, sowie die Exporteure an die EU-Gesetze halten, wenn sie uns ihr Fleisch verkaufen wollen. Aber was heißt das schon? Keine Hormone und keine Antibiotika. Sonst nix. Die Viecher werden in den letzten 3 Monaten ihres Lebens mit einem Mastfutter gefüttert – Hauptbestandteil ist Mais. Sogar von einigen Züchtern selbst angebauter Mais. Aber: wir wissen, dass Mais in den US of A genmanipuliert ist. Oder hochgradig mit Pestiziden belastet. Da fragt keine Sau danach. Hauptsache, das Fleisch schmeckt. Wollen wir das?? Ich jedenfalls nicht!

Es gibt mittlerweile auch einen Trend zum ‚besten Steak der Welt‘ – von der ‚alten Kuh‘. Angefangen hat damit (soweit ich weiß) Imanol Jaca (cleveres Kerlchen), der aber mittlerweile auch dreierlei ‚Qualitäten‘ unter dem Label ‚Txogitxu‘ vertreibt: Die Standardware aus Polen, Deutschland, Portugal oder Spanien – immer von alten Kühen, dann die galizische Qualität – das ist schon besser, denn wir wollen von einem Basken kein deutsches oder polnisches Fleisch verkauft bekommen, und dann noch die ‚Extra‘ Qualität – hmm. Wenn ich ehrlich sein soll – nur die beiden letztgenannten Qualitäten interessiert mich, denn da, und nur da, steckt die ursprüngliche Idee von Herrn Jaca dahinter.

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Bevor ich mich hier wiederhole, verweise ich auf meinen kürzlich veröffentlichten Artikel.

Auch bei den Luxusfleisch-Anbietern muss man mittlerweile sehr genau hinsehen, wenn man mit einem halbwegs guten Gewissen noch Fleisch essen möchte. Profitoptimierung und das voraus gehende Marketing gehören dort mittlerweile zum guten Ton – schmecken tut das meiste, was da so angeboten wird, aber kaum jemanden interessiert es, was im Hintergrund passiert.

Ich möchte mit einem Zitat aus einem Astérix-Band abschließen, als es einem von den Galliern nach dem Gelage ziemlich übel wurde und Obelix lapidar bemerkte: „Vielleicht hat der was gegessen, was was gegessen hat, das nicht in Ordnung war“.

Happy shopping!

 

 

Kategorien:HausMANNSkost, Nose to Tail EatingSchlagwörter:, , , , , , , , , ,

7 Kommentare

  1. Ich kauf nur bei mein Bauern, kein Marketing,..der errettet sich sowieso nicht vor Leuten die bei ihm kaufen wollen, drum nenne ich seinen Namen garnicht mehr,..die Viecher rennen auf den Weiden ummandand, die Babys bleiben bei der Mama,..uswusf, Ich weiß dass Bio auch nicht unumstritten ist, bei meinem Bauern bin ich mir aber sicher, man merkts einfach dem Fleisch an, dass es dem Tier gutging. Es schmeckt, es geht nicht zam wie Gummi beim Braten,..bestes halt!
    Lg. und ja ich hab eh alles gelesen! Sina 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Super Artikel! Toll geschrieben! Du sprichst mir aus der Seele! Ich esse seit Jahren kein Schwein und fast kein Geflügel. Lamm mag ich nicht, da bleibt nur Rind und Kalb und ich habe das Gefühl, dass meine Antiobiotika-Versorgung auch damit schon ausreichend ist. Ich esse wirklich sehr wenig Fleisch, denn ich finde es extrem schwierig, hochwertiges Fleisch (ohne Massentierhaltung und Gentechnik) zu bekommen – und erst recht Wurst gibt es kaum! Ich denke stark darüber nach, es wie Ulrike (vom Blog Küchenlatein: http://kuechenlatein.com) zu machen und mir einen Anteil an einem Rindvieh zu kaufen – Direktvermarktung mit Besuchsrecht quasi.

    Der Vorteil vom Wenig-Fleischessen ist, dass es weniger kostet und man häufiger zu vegetarischen Alternativen greift, um dann ein richtig gutes Stück Fleisch wirklich zu genießen. Woher beziehst du Fleisch und Wurst?

    Liebe Grüße
    Johanna

    Gefällt mir

    • Vielen Dank, Johanna!
      Ich beziehe Fleisch und Wurst (allerdings esse ich kaum Wurst) aus verschiedenen Quellen: genusshandwerker.de, umdiewurst.de, fleischgeniesser.de sind für mich die besten 😉

      Gefällt mir

  3. Hehe,

    guter Beitrag, gutes Zitat.
    Danke

    Gefällt 1 Person

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