Gutes Fleisch (und Wurst) im Internet



Es gibt mehr und mehr Versender von Fleisch, die mit mehr oder weniger großem Aufwand an einem Kulturwandel beteiligt sind. Fleisch im Internet bestellen? Weshalb das denn?

Weil es vielerorts keine Metzger mehr gibt!

Die wurden allerdings nicht durch den Online-Handel verdrängt, sondern durch Supermärkte und Discounter mit ihren ‚immer billiger‘-Angeboten aus riesigen Fleischfabriken, aus fragwürdiger Tierhaltung und z.T. mit vorsätzlich verschleierter Herkunft.

Die fast wöchentlich wachsende Anzahl der Fleischversender belegt, dass der Markt danach verlangt. Durch Übernacht-Expressversand und ausgereifte Kühlverpackungen wird die Kühlkette (fast) immer eingehalten und ist eigentlich kein Thema mehr. Was allerdings mehr und mehr zum Thema wird, sind ‚die Großen‘ – Fleischgroßhändler mit dem entsprechenden Marketingbudget, deren Werbung ‚bestes Fleisch aus artgerechter Haltung‘ suggeriert – doch wenn man etwas genauer hinsieht, fallen einem Ungereimtheiten auf. Da wird vom selben Unternehmen teures ‚Gourmetfleisch‘ online verkauft, aber aus der gleichen Quelle beziehen auch Supermärkte und Discounter ihr Fleisch, welches unter einem anderen Label zu einem Bruchteil der im Internet aufgerufenen Preise verkauft wird. Und mit artgerechter Haltung sowie schonender, stressfreier Schlachtung nehmen es die, die am lautesten schreien, ebenfalls nicht so genau…

Es gibt hier auf diesem Blog mehrere Artikel über Fleisch und seine Anbieter im Internet – heute widme ich mich nur zwei Themen:

Regionale Metzger, stolze Handwerker mit einer vorbildlichen Berufsethik, die über den Tellerrand hinaus blicken und sich das Internet und den Online-Handel zunutze machen.

Ich liste hier nur die auf, welche ich mehrfach getestet und für vorbildlich befunden habe. Die, welche ich getestet habe, aber hier nicht nenne, sind aus vielerlei Gründen ‚durchgefallen‘ – die meisten dieser Gründe sind in meinen früheren Beiträgen nachzulesen (eine Liste mit Links zu diesen Beiträgen folgt am Ende dieses Posts). Natürlich erhebt diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn ich bin sicher, dass es noch mehr solche Handwerker gibt, die sich den modernen Zeiten des Online-Verkaufs stellen und bin für Empfehlungen in der Kommentarfunktion dankbar.

Allen voran der Pionier in dieser Sparte, Claus Böbel aus Rittersbach in Franken. Sein Sortiment ist im wahrsten Sinne des Wortes ‚endlos‘, denn wenn es etwas noch nicht in seinem Online-Shop gibt, dann besorgt er es! Ehrliche Qualität aus regionalen Quellen, artgerechter Tierhaltung, wenn auch nicht ganz billig:

Umdiewurst.de

Rüdiger Strobel aus Dörnthal in Oberfranken setzt nicht nur auf Strohschweine aus artgerechter Tierhaltung – auch seine Konserven sind von herausragender Qualität und die üblichen Geschmacksverstärker werden, wenn überhaupt, dann nur sehr sparsam eingesetzt.

Landmetzgerei Strobel

Gottfried Stegbauer aus dem niederbayrischen Fürsteneck liefert nicht nur Fleisch aus artgerechter, regionaler Tierhaltung – bei ihm bekommt man auch Steaks von der ‚Fetten Alten Kuh‘, ein Fleisch, welches sich qualitativ hinter dem (weitaus teuereren) Wagyu-Rindfleisch nicht verstecken muss.

Fleischgeniesser.de

Daniel Lindner aus Aufseß in der Fränkischen Schweiz betreibt ebenfalls einen Online-Shop, der Fleisch aus artgerechter und regionaler Tierhaltung liefert. Weil ‚der Markt es verlangt‘ hat er allerdings auch amerikanisches Rindfleisch (US-Beef) im Angebot, welches von ‚Greater Omaha Packing Co. Inc.‘, einem amerikanischen Großbetrieb aus Nebraska kommt (der deutsche Generalimporteur für dieses Fleisch ist Albersfood). Dies ist das einzige Manko (ich mag amerikanisches Rindfleisch nicht – weshalb, steht in einem meiner Beiträge in der Link-Liste am Ende dieses Posts), sein deutsches Rind- und Schweinefleisch kann ich aber sehr empfehlen.

Landmetzgerei Lindner

Einen ganz besonderen Lieferanten, der zwar selbst kein Metzger ist, aber dennoch genannt werden muss, gibt es noch. Hans-Georg Pestka und sein ‚Online-Wochenmarkt‘ Genusshandwerker. Hans-Georg lebt seine Philosophie von besten Genusswaren aus besten Quellen. Wenn es doch einmal passiert, dass sich ein Zulieferer nicht an die gemachten Zusagen bezüglich Qualität, Regionalität oder Tierhaltung hält, dann nimmt er dessen Ware gnadenlos wieder aus seinem Angebot. Verwunderlich ist das nicht, war Hans-Georg doch vor seiner Zeit als Genusshandwerker der Geschäftsführer von Slow Food Deutschland. Bestellt wird bis Sonntag Nacht – geliefert wird am folgenden Freitag bis 12:00. Garantiert. Die Auswahl an Fleisch und Wurst (und nicht nur die) ist bemerkenswert und von allererster Güte.

Genusshandwerker

Das zweite Thema ist das sogenannte ‚Crowdbutchering‘. Da wird im Internet z.B. unter kaufnekuh.de oder geteiltes-fleisch.de ein ganzes Tier angeboten, welches erst, wenn es komplett verkauft ist, geschlachtet, zerlegt und versandt wird. Die Tiere werden artgerecht gehalten, es wird das ganze Tier verwertet. Man weiß, wo das Fleisch herkommt. Das sind die Argumente dieser Anbieter und das klingt vordergründig nicht schlecht.

Ähnlich arbeitet auch mycow.de – nur dort sind es feste Schlacht- und Liefertermine. Man bestellt zum Termin und wenn die vorgesehenen Tiere nicht ausreichen, dann muss man eben einen späteren Termin wählen. Was ausverkauft ist, ist ausverkauft.

Was mich bei beiden Konzepten stört, ist dass es nur festgelegte ‚Pakete‘ gibt und diese beinhalten zumeist populäre Zuschnitte, sowie auch Hackfleisch, Burger und Würste – aber keine ’special cuts‘ (die heutzutage gar nicht mehr so ’special‘ sind), also die weniger populären Zuschnitte wie Flank-Steak, Flat Iron, Nierenzapfen (Onglet) etc. etc., geschweige denn Innereien. Auf Nachfrage wird erklärt, dass diese Teile entweder zu Tierfutter verarbeitet werden oder ‚in die Wurst gehen‘, die Häute gehen zur Lederherstellung und betont wird jedes Mal, dass ‚das ganze Tier verwertet wird‘. Inwieweit sich das nun von der konventionellen Tierverwertung abhebt, erschließt sich mir nicht, denn auch dort wandern die ‚unprofitablen‘ Teile ‚in die Wurst‘ oder ins Tierfutter. Auch stört mich, dass in jedem Paket undefiniertes ‚Hackfleisch‘ ist und auch die Teilstücke aus welchen das ‚Gulasch‘ oder das ‚Geschnetzelte‘ stammt, nicht definiert werden. Mir ist das als Verbraucher schlicht zu wenig Information. Fragt man in Social media nach, bekommt man wenig kompetente und ausweichende Antworten. Mich beschleicht da das Gefühl, dass diesen Anbietern vollkommen egal ist, was der Kunde wünscht. Vom einmal beschlossenen Konzept wird nicht abgewichen.

Etwas fortschrittlicher ist da ein Anbieter in der Schweiz – die haben auf den Zeitgeist reagiert und haben eine (wenn auch nicht vollständige) Rubrik Nose-to-Tail hinzugefügt, wo auch Innereien (Zunge, Herz, Leber, Rinderbacken und – schwanz sowie längs geschnittene Markknochen) bestellbar sind.

Die Konzepte, auf der einen Seite der handwerkliche Fleischer oder Metzger, der individuell auf Kundenwünsche eingeht, und auf der anderen Seite die Crowdbutchering-Anbieter, die sehr unflexibel sind, kann man schon aus einem Grund nicht vergleichen: dem Preis. Der Metzger wird seine Artikel immer individuell auspreisen und seine handwerkliche und beratende Dienstleistung muss bezahlt werden. So etwas kann und darf nicht ‚billig‘ sein. Crowdbutchering setzt vom Konzept her auf Masse – der Mischpreis für die Pakete liegt, je nach Qualität, zwischen 17 und 20 Euro/kg, allerdings muss man als Verbraucher dabei auch sehen, dass die ‚preiswerten‘ cuts, sowie das Hackfleisch und die Würste gewichtsmäßig den größten Anteil in den Paketen ausmachen – wenn man genau hinsieht, relativieren sich dann die Preisunterschiede zu den konventionellen Metzgern wieder.

Irgendwo will wohl jeder ‚etwas vom Kuchen abhaben‘ – ich für meinen Teil halte mich lieber an die traditionellen Metzger, denn dort werden auch Sonderwünsche erfüllt, so wie ‚früher‘ in der Metzgerei um die Ecke. Wir, die Verbraucher, sollten den Online-Einkauf beim traditionellen Fleischer genauso zu einem Trend machen, wie ‚Nose-to-Tail‘ von den Marketing-Experten zum Trend gemacht wurde, obwohl es nichts anderes ist als zurück zu ‚früher war alles besser‘. Und genau das ist der Punkt. Früher war vielleicht nicht alles besser, aber vieles – und wenn es im Internet-Zeitalter solche (Genuss)Handwerker gibt, dann müssen die nach Kräften unterstützt werden.

Danke an meine Leser, die meine recherchierten Ausführungen über sich ergehen lassen, und ich würde mich freuen, wenn die hier von mir Kritisierten (falls sie es lesen) ein wenig nachdenken würden. Ich wünsch euch was!

Links zu meinen früheren Beiträgen über Fleisch:

https://themaskedchef.net/2015/06/16/woran-erkennt-man-gutes-fleisch/

https://themaskedchef.net/2015/06/22/woran-erkennt-man-gutes-fleisch-teil-2/

https://themaskedchef.net/2015/07/07/woran-erkennt-man-gutes-fleisch-teil-3/

https://themaskedchef.net/2016/07/01/beef/

https://themaskedchef.net/2016/07/25/fleisch/

https://themaskedchef.net/2016/09/08/gourmet-fleisch/ 

 

Kategorien:Basics, HausMANNSkost, Klassiker, Nose to Tail EatingSchlagwörter:, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

6 Kommentare

  1. Jäger und Sammler aus München nicht vergessen! Die bieten auch artgerechtes Fleisch an und es steht ein junger Metzger dahinter. (jaegerundsammler.bio)

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  2. In München gibt es jetzt auch Jäger und Sammler. Artgerechte Tierhaltung mit direkten Lieferservice. Die Website sieht auch etwas ansprechender aus. jaegerundsammler.bio

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  3. Moin, bei uns im Norden ist der Wurstladen eine gute Anlaufadresse für richtig leckere Wurstwaren, die im Alten Land noch wie früher in Handarbeit gefertigt werden:
    http://www.wurstladen.de

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  4. Danke das ist sehr informativ. Wir haben das Glück, wenigstens Rindfleisch direkt vom Bauern kaufen zu können. Er hält nur 3 Tiere auf der Weide bis sie schlachtreif sind. Super Fleisch. Der Preis ist absolut gerechtfertigt. Lieber nur 1-2 mal Fleisch in der Woche , dafür gute Qualität. L. G. Marion aus dem Ruhrpott.

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