BEEF!



Ich ‚beefe‘ jetzt auch mal – nein, nicht mit dem ‚Beefer‘ oder sonstigen hoffnungslos überteuerten Grillgeräten – hier geht es nur um GUTES BEEF, also Rindfleisch, genauer gesagt: Steaks – und zwar Steaks von ALTEN Rindviechern, die (angeblich) ein erfülltes, artgerechtes Leben hatten, schonend (stressfrei) geschlachtet wurden, ohne lange Transportwege, ‚regional‘ lautet die Devise!

Über minderwertiges, aber als hochwertiges angebotenes Fleisch habe ich mich früher schon ausgelassen, hier, hier und hier. Klickt die Links mal an – ist lesenswert…aber heute geht es um Luxusfleisch, tolles Fleisch, etwas für Kenner. Und Männer!

Neben dem Wagyu- und Kobe-Beef-Hype hatte ein Baske namens Imanol Jaca die Idee, Fleisch von ausgesuchten, alten Kühen unter der Bezeichnung ‚Txogitxu‘ zu vermarkten. Ich will hier nicht wiederholen, was schon x-mal geschrieben wurde und verweise hier auf einen Blogger-Kollegen.

Probiert habe ich das Fleisch (also das Original-Txogitxu aus dem Baskenland) zum ersten Mal von Hans-Georg Pestka und seinen Genusshandwerkern. Ich war begeistert! Da kannste mir mit dem fettig schmeckenden Wagyu und Kobe Beef, wie ich es von Otto-Gourmet probiert hatte, weiter gehen! Der Newsletter von denen wurde mittlerweile abbestellt, denn da wird fast nur Fleisch aus der halben Welt in gefrorenem Zustand importiert (und zu exorbitanten Preisen verkauft) – der ökologische footprint dieses Unternehmens schreckt mich. Ich weiß, den meisten ist das egal – mir aber nicht.

IMG_2815

IMG_2818

Muss einen nicht wundern, dass Hans-Georg Pestka da nichts anbrennen lässt – war er doch vor seinem Engagement als Genusshandwerker der Chef von Slow Food Deutschland!

Mittlerweile sind aber auch andere auf den ‚fette-alte-Kuh-Zug‘ aufgesprungen, allen voran ‚Deutschlands bekanntester Metzger‘ Dirk Ludwig, der seine ‚alte-Kuh-Steaks‘ ‚Grand Mu‘ nennt und offensichtlich mit großem Erfolg verkauft. Ich habe mir ein paar Probestücke bestellt und war zunächst etwas schockiert über die Kennzeichnung des Schlachtbetriebs. Regional? Keine Rede! Die Metzgerei ‚Der Ludwig‘ ist in Schlüchtern (das ist in Nordhessen, in der Nähe von Fulda), aber der Schlachtbetrieb hat die Kennzeichnung DE BY 10504 – das ist die Südfleisch Waldkraiburg, ein Betrieb, welcher zum umstrittenen Vion Konzern aus den Niederlanden gehört (weshalb ‚umstritten‘ steht hier).

IMG_2880

Meine Nachfrage wurde (offenbar von Dirk Ludwig persönlich) zunächst sofort beantwortet:

Hallo Herr Ludwig,

kürzlich habe ich bei Ihnen Steaks bestellt (siehe unten).

Art.Nr. 2544 (T-Bone-Art | Oma Kuh 700g) war hervorragend, das Côte de Boeuf nicht ganz so toll (eher etwas, nun ja – ‘bissfest’)

Die Black Label Qualität fand ich gut, aber ebenfalls nicht umwerfend. Da hatte ich von Claus Böbel, auch ohne ‘Black Label’ schon Besseres.

Mein eigentliches Anliegen ist allerdings die Frage, wie es sein kann, dass bei einem Betrieb wie Ihrem, der auf regionale Herkunft, artgerechte Tierhaltung und stressfreie Schlachtung setzt, die Tiere im (Groß-)Schlachtbetrieb der Fa. Südfleisch in Waldkraiburg (gehört zur niederländischen Vion Food Gruppe), mehr als 400 km von Schlüchtern entfernt, geschlachtet werden.

Ich freue mich auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort:

Vielen Dank für ihre freundliche Email. Ihre Frage ist einfach zu beantworten: In der Region Niederbayern finden wir noch ausreichend Landwirte, die sich auf die Mast von Färsen oder Ochsen spezialisiert haben. Nur dort finden wir die von uns gewünschte Qualität an Schlachttieren, die es ermöglicht eine qualitative Vorauswahl zu treffen. Das war in den von uns vorher bevorzugten Regionen, wie Nordwestdeutschland und dem Allgäu leider nicht der Fall. Da unsere oberste Direktive die Produktqualität ist, arbeiten wir mit den Partnern zusammen, die uns diese bestmöglich liefern können. Ich hoffe ihre Frage, umfassend und verständlich beantwortet zu haben.

 

Mit freundlichen Grüßen / Kind regards

Dirk Ludwig | Der Ludwig –Metzgerei-

-von unterwegs gesendet-

Damit war ich nicht so ganz zufrieden und fragte nach:

Hallo Herr Ludwig,

vielen Dank für die schnelle Antwort – somit kann ich wohl davon ausgehen, dass die Tiere nicht über mehrere hundert Kilometer zum Schlachtbetrieb transportiert werden, allerdings bleibt die Frage nach der stressfreien Schlachtung offen, denn die Südfleisch Waldkraiburg hat nicht unbedingt den besten Ruf…?

Bitte verstehen Sie mich richtig – für gute Argumente bin ich durchaus zugänglich (auch unsere Produkte der Marke d. diepfanne® werden in China in handverlesenen Betrieben gefertigt), doch Regionalität und artgerechte Tierhaltung und -verwertung sind mir ein Anliegen, besonders bei meinem persönlichen ‘Verbrauchertum’.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Dirk Ludwig: FEHLANZEIGE! Ich habe ihm mittlerweile einige Wochen Zeit gelassen, aber nichts, nothing, nada!

IMG_2888

IMG_2894

Nächster Test: Die Firma Wilhelm Stegbauer Inh. Gottfried Stegbauer e.K.  

Vorsichtig geworden, schrieb ich eine Anfrage:

Liebe Fleischgeniesser,

ich interessiere mich für Ihre Steaks von der ‘Fetten Alten Kuh’. ‘Txogitxu‘ kenne ich schon seit einigen Jahren und bin generell sehr angetan, allerdings ist für mich der ökologische Footprint der Lebensmittel, die ich einkaufe eminent wichtig. Bei ‘Txogitxu’ bekommt man mittlerweile Fleisch, welches von Kühen aus ‘der EU’ stammt. Kürzlich habe ich bei der Metzgerei Ludwig in Schlüchtern ‘Grand Mu Steaks’ bestellt, doch auch die waren offensichtlich nicht ‘regional’ – Schlachtbetrieb DE BY 10504 ist die Fa. Südfleisch in Waldkraiburg (gehört zur niederländischen Vion Food Gruppe) und ist mehr als 400 km von Schlüchtern entfernt.

Ich bitte deshalb zunächst um Auskunft über die Herkunft und den Schlachtbetrieb des von Ihnen angebotenen Fleisches.

Mit freundlichen Grüßen

Die Antwort – und die fand ich ziemlich, nun ja, befriedigend, kam 2 Tage später:

ersteinmal danke für das Interesse an unserem Fleisch von der Fetten Alten Kuh. Wir beziehen unser Fleisch ausschließlich von Landwirten aus unserer Region dem Bayerischer Wald, dem Rottal und dem Voralpenland. Der Ursprung unseres Unternehmens ist der Viehhandel, daher haben wir einen starken Bezug zu unseren Landwirten. Sie werden bei uns auch keine Steaks finden, die ihren Ursprung aus Übersee, Irland oder sonst wo her haben. Die Tiere die wir bei den Bauern kaufen, transportieren wir auch selber oder lassen es von den Landwirten direkt zum Schlachthof anliefern. Wir schlachten unsere Tiere an drei Schlachtbetrieben:

Städtischer Schlachthof Passau „ES57“: Hier schlachten wir die Schweine, die Bio Schweine, die Bio Rinder als auch Kühe und die Simmentaler Rinder und nehmen die ganzen Hälften zurück

Schlachthof Alpenrind Traunstein „BY10508“: Hier liefern wir die die Angus Rinder, Simmentaler Rinder und die Kühe an und nehmen die Roastbeef und Keulen wieder für uns zurück. Die Vorderviertel verbleiben am Schlachthof

Bablitzka Breitenberg „BY20432“: An dem sehr kleinen Schlachtbetrieb (wöchtentlich ca. 20 Rinder) liefern wir Tiere mit besonderer Betreuung an. Das sind z. B. Rinder aus Mutterkuhhaltung. Hier bedarf es großer Geduld beim Transport und oftmals werden aus einer Herde 5-6 Rinder ausselektiert, obwohl nur eines geschlachtet wird. Werden die Tiere im Herdenverbund transportiert, nehmen wir ihnen die Angst. Das einzelne Tier wird abgeladen und geschlachtet, die anderen Tiere werden wieder zurücktransportiert.

Sie haben die 100% Garantie, dass wir so handeln wie es in unserem Onlineshop publiziert wird. Bei Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichem Gruß

Gottfried Stegbauer

Der interessierte Leser kann sich an dieser Stelle bereits denken, was in meinem Kopf vorging. Gutes Marketing mit einer (teuer bezahlten) Agentur hat sicherlich etwas – aber ich will mich als Verbraucher nicht verarschen lassen. Und genau das hat der Herr Ludwig (ohne Erfolg) versucht – und der Herr Stegbauer hat klare, unverblümte, unbeschönigte (weil er das nicht nötig hat) Auskunft gegeben.

Ich habe auch dort bestellt und das Fleisch war nicht besser oder schlechter als das von Der Ludwig. Nur hat es mir, allein schon wegen der Herkunft und der Schlachtbetriebe besser gemundet.

IMG_2971

IMG_2983

IMG_3010

Scharlatane brauchen wir nicht! Egal, ob sie Lidl, Aldi, Otto Gourmet oder Der Ludwig heißen. Es mangelt an Moral – und ich weiß, dass ich mir mit diesem Beitrag wahrscheinlich viele Feinde mache…aber es wird auch einige, hoffentlich viele, geben, die das zum Nachdenken und Hinterfragen anregt – und damit bin ich zufrieden. Mission accomplished.

Have fun & keep beefin‘!

12622513_565201793645681_7654652396880774291_o

 

 

 

 

Kategorien:Basics, HausMANNSkost, UncategorizedSchlagwörter:, , , , , , , , , , , , , , , ,

7 Kommentare

  1. Schonungslos, SO muss es sein. Es gibt eben keine Kombination aus Manufaktur, Nachhaltigkeit UND Gewinnmaximierung ! ps. Ein Thüros Grill mit einer Tüte guter Holzkohle (keine Briketts!) erzeugt für mich immer noch das beste Grillergebnis bei Entrecote und Co.

    Gefällt mir

  2. Ich habe einen Fehler gemacht, ich hätte beim Txo nicht meine Frau fragen sollen. Ich schicke sie mit Freundinnen Freitag abends mal in die Stadt und mache mich über das Pestka-Paket her. 😉

    Gefällt mir

  3. Sehr schöner Artikel! Gut dass Du nachgehackt hast. Ich werde mir von Deinem Enthusiasmus mal eine Scheibe abschneiden und beginnen ebenfalls mehr zu hinterfragen.

    Gruß,
    Jens

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

falkkochblog: Kochen & Backen mit Liebe & Leidenschaft

Kochen & Backen mit Liebe & Leidenschaft

gittakocht

mit Liebe

One Man's Meat

My food blog - written in Dublin, Ireland

Landidylle

Versuch der Selbstversorgung mit Obst, Gemüse & Fleisch vom eigenen Land. Sammeln, Jagen & Tauschen. Ästhetische und hochwertige Sanierung eines alten Resthofs, Anlage des Nutzgartens und Naturgartens zum politischen Gärtnern. Transition. Nachhaltige Möglichkeiten unabhängiger und sparsamer zu leben, das Tempo zu drosseln, freier und glücklicher zu sein, altes Wissen und alte Fähigkeiten wieder zu erlangen. Kochen, backen und konservieren von selbst angebauten Bio-Lebensmitteln und Wildfrüchten, Wildkräutern.

Austlese

DAS SCHMECKT

Ingwerlatte reloaded. Leben und leben lassen!

(Vive et vivere sine)² - Leben und leben lassen!

Winzersekt - Ein Blog über den genießenden Alltag

Aktuelle Gedanken, faszinierende Beobachtungen, kulinarische Ereignisse - ein Blog über die vielen kleinen und großen Freuden

Liebe mit Biss

Kochen aus Leidenschaft

giftigeblonde

Hier wird mit Leidenschaft gekocht!

magentratzerl

"Der Sitz der Gefühle ist der Magen"

StadtLandfrau

Das Denken ist zwar allen Menschen erlaubt. Aber vielen bleibt es erspart. (Goethe)

Friede Freude & Eierkuchen

Ein kulinarischer Reiseblog aus Katalonien

lieberlecker

... als gar nichts essen!

Die See kocht

Segeln, Kochen, Proviant, Bord-Rezepte & Meer.

%d Bloggern gefällt das: