Ceviche | Tag des Meeres



Heute ist der Tag des Meeres 2015 ! Nicht nur auf meinem Blog, sondern weltweit, für jeden, der sich bereits für Nachhaltigkeit interessiert oder sogar schon einsetzt…und für alle, die es noch nicht tun! Keine Sorge – es liegt mir fern, mit erhobenem Zeigefinger und einem Plakat durch die Straßen zu gehen, und jemandem meine Überzeugung aufzudrängen. Für alle, die es dennoch interessiert, was mich dazu bewegt, diesen Tag auf meinem Blog zu erwähnen…bitte weiterlesen!

Ein Schlüsselerlebnis hatte ich beim Tauchen im Roten Meer. Das Tauchboot brachte uns an jenem Tag zu einem entlegenen Riff namens ‚Bluff Point‘, wir hatten einen schönen Tauchgang und waren schon fast aufgetaucht, als sich plötzlich eine Gruppe von Delfinen zu uns gesellte, um uns her schwamm, auf uns zu schwamm und überhaupt mit uns interagierte, wie man es von wilden Tieren nicht erwarten würde. Sie waren sogar bereit, sich als Models für einen ‚Photoshoot‘ herzugeben…ob die wohl wussten, in was sie investieren?

Bild Sie blieben bei uns, bis wir schließlich auftauchen mussten – buchstäblich mit dem letzten Atemzug! Keiner aus der Tauchgruppe wollte diese wunderschöne Vorstellung abbrechen – nur unser Luftvorrat zwang uns schließlich dazu. Seit diesem außerordentlichen Erlebnis interessierten mich die Meeressäuger Wale und Delfine immer mehr…und, ein Hoch auf das Internet, heute muss niemand mehr uninformiert bleiben, ist doch jede nur denkbare Information nur einen Mausklick entfernt. Diese Informationsflut führte mich zwangsläufig zum Thema Nachhaltigkeit. Die Lebensmittelindustrie beutet unseren Planeten aus, Tiere als Protein-Lieferanten für unsere schönen Teller werden immer schneller aufgezogen und mit Medikamenten vollgepumpt, nur um die Nachfrage zu befriedigen. Der Fischfang  wird teilweise so radikal betrieben, dass es in Kauf genommen wird, dass sich Wale, Delfine oder auch Haie (wunderbare Tiere, übrigens – im Verhalten den Hauskatzen sehr ähnlich!) in den Netzen verfangen. Hier gibt es ein wunderbares Video über einen Wal, der sich in einem solchen Netz verfangen hatte. Es hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Schaut es Euch an!

Muscheln, auch die teuren Jakobsmuscheln, werden mit Schleppnetzen aus dem Wasser geholt. Dass damit diese Muscheln auch mit Dreck vom Meeresboden gefüllt werden, interessiert offensichtlich erst dann, wenn sie auf dem Teller sind und nicht wie erwartet schmecken. 😦

Was kann der Einzelne tun? Nun – fragt an Eurer bevorzugten Fischtheke nach nachhaltig gefangenem Fisch! Das Marine Stweardship Council MSC vergibt ein Gütesiegel für nachhaltigen Fischfang. Nur wenn man danach fragt, werden auch die  Supermarktketten und Discounter auf das veränderte Bewusstsein der Verbraucher aufmerksam. Und scheut Euch nicht zu fragen – der Kunde ist König!! Die Verkäufer/innen werden vielleicht etwas ’säuerlich‘ dreinschauen, aber sie geben es an ihre Vorgesetzten weiter – vor allem dann, wenn der Kunde vom Kauf absieht…

Man könnte natürlich heute zu einem fischfreien Tag aufrufen oder aber diesen Tag zum Anlass nehmen, zu einem nachhaltigen(!) Fischkonsum zu motivieren! Ich habe mich für Letzteres entschieden, weil es durchaus einige Fischereien gibt, die mit Rücksicht auf unsere Meere fischen und für ihre umweltbewusste Arbeitsweise auch belohnt werden sollten.

Deshalb gibt es heute mein Rezept für Ceviche, ein peruanisches Fischgericht, bei dem der Fisch nicht durch Hitze gegart wird, sondern durch die Säure aus dem Saft von Limetten und Zitronen (chemisch gesehen passiert das durch eine Denaturierung des Eiweißes, ganz ähnlich wie beim Kochen. Im Prinzip ganz ähnlich, wie in Essig marinierte Fische – man denke an Rollmops). Ceviche ist ein herrliches Sommergericht für einen Abend auf der Terrasse – es schmeckt fantastisch und ist überaus gesund! Der Fisch, den ich hier verwende, ist zwar nicht MSC-zertifiziert – ABER, es ist ein handgeangelter Seelachs aus Norwegen – gefangen vom Ehemann unserer ‚Perle‘ in deren Urlaub in Norwegen und sofort nach dem Fang und dem Zerteilen eingefroren. Nachhaltige Fischerei erster Kategorie!

Zutaten für 4 Personen

ca. 600 g Seelachs (oder ein anderer, wenig fett/ölhaltiger Fisch) – möglichst ‚weißer‘ Fisch. Lachs oder Thun eignet sich gar nicht. Der Fisch sollte sehr frisch oder frisch gefrostet sein. Garnelen gehen übrigens auch. Den Fisch ggfs. auftauen, häuten und in Streifen schneiden. Garnelen schälen, den Darm entfernen, waschen, trocken tupfen und in mundgerechte Stücke schneiden.

Saft von 1 Orange, 4 Limetten, 2 Zitronen

2 EL flockiges Meersalz (mein Favorit ist Murray-River-Salt – rosafarbige Salzflocken aus Australien)

2 Stiele Stangensellerie, in feine Scheiben geschnitten

2 Knoblauchzehen und 20 g frischer Ingwer, geschält und fein gehackt

Mehr oder weniger (das bezieht sich auf die Menge – nicht auf die Frische 😉 ) frische rote und grüne Chilies (auch Serrano-Chilies oder Jalapenos machen sich hier gut), fein gehackt

1 Bund Frühlingszwiebeln (Lauchzwiebeln), gewaschen, getrimmt, und in Scheiben geschnitten (in Peru werden rote Zwiebeln verwendet, aber ich finde, dass Frühlingszwiebeln etwas dezenter sind und den Fisch nicht dominieren)

1 Bund frisches Koriandergrün (wer Koriander nicht mag, kann auch glatte Petersilie nehmen), abgezupft und grob gehackt

Als Beilage gekochte Süßkartoffeln und gebratener Mais

Zubereitung

Limetten und Zitrone auspressen. Die Fischstücke gut salzen und für 15 Minuten ziehen lassen. Mit der Limetten-/Zitronensaftmischung übergießen und kalt stellen.

Die Orange auspressen. Chillies, Sellerie, Ingwer und Knoblauch mit etwas Meersalz und schwarzem Pfeffer aus der Mühle würzen und mit dem Orangensaft vermischen und 1/2 Stunde ziehen lassen. Dann zum Fisch geben und gut vermischen. Ab hier sollte die Ceviche nochmals mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ziehen – dabei gelegentlich umrühren. Rezepte, die kürzere Zeiten angeben, sind nicht für Seelachs oder Garnelen geeignet. Man erkennt, dass der Fisch gar ist, wenn er eine durchgehend milchige Farbe angenommen hat!

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Die Frühlingszwiebeln fein schneiden, Koriander (oder Petersilie) grob hacken und beides über die Ceviche geben. Ich gebe gerne noch eine kleine Handvoll gehackte Minzeblätter dazu – das gibt dem Gericht eine Extra-Frische an heißen Sommertagen (auch wenn’s nicht so in den üblichen Rezepten zu finden ist).

Die Ceviche mit einem Schaumlöffel aus der Marinade heben, leicht abtropfen lassen und mit gekochter Süßkartoffel und in etwas Olivenöl gebratenem Mais servieren.

Die übrige Marinade heißt in Peru übrigens Tiger’s Milk (Tigermilch) und wird in einem Shot-Glas dazu serviert. Es heißt, dass Tiger’s Milk nicht nur einen Kater kuriert, sondern auch aphrodisierende Eigenschaften hätte…. 😉

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6 Kommentare

  1. Schöner Artikel, schönes Rezept.

    Gefällt 1 Person

    • Herzlichen Dank, Cornelia!

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      • Das möchte ich demnächst mal in der einfachen Boots Variante nachmachen und dann auf dich verlinken. Ceviche steht bei uns schon lange auf dem Programm aber auf „Die See kocht“ noch nicht, weil es mit dem rohen Frisch Fisch bei unzureichender Kühlung ja so eine Sache ist…LG Cornelia

        Gefällt mir

      • Das stimmt schon Cornelia, aber auf einem Boot sollte es doch nicht soo ein großes Problem sein, tagesfrischen Fisch zu bekommen? Ceviche geht ja mit (fast) jedem Fisch….nur die öligen Arten sind nicht so geeignet.
        LG
        Tommy

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  2. Hui, bei dem Tauchgang wäre ich für mein Leben gern dabei gewesen. Vermutlich hätte ich sogar noch die Luft angehalten, um zu verlängern.
    Eine Delfingruppe, die von allein kommt….
    Ob das wohl eine verlängerte Dekopause war ?
    Bei sowas hatte ich in Kenia mal das Glück mit einem Walhai.

    Stimme dsk im Übrigen zu, leckeres Essen, tolle Fotos – Tag des Meeres erwähnt : toller Beitrag,
    interessante Marinade 😉

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank! Wir waren mit einer Gruppe von 7 Sporttauchern + dem Guide (Freund von mir – der hat auch das Foto geschossen) beim safety stop in 5 m Tiefe, als die Delfine kamen. Den stop konnten meine Frau, der Guide und ich auf mehr als 20 min. ausdehnen (die Urlaubstaucher hatten schon alle leere Buddeln und mussten vorher schon raus). Es war einfach traumhaft, wie die Delfine mit uns gespielt haben. Sie haben auch das Boot nach der Abfahrt vom Riff noch für etwa 1 sm begleitet.

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