Hühnchen ohne Kopf & Füße


Ein Exkurs zum Nachdenken.

So kennt man das. In Deutschland dürfen Hühner mit Kopf und Füßen gar nicht erst verkauft werden – das würde ja auch so „unlecker“ aussehen. So ein nacktes Hühnchen, dem die Füße und der Kopf abgeschnitten wurden, sieht ja auch richtig ansprechend aus. Nicht wahr?

 

Les Bleus

 

Schock beiseite – jedes Huhn war irgendwann einmal ‚komplett‘. Nicht nur am Leben, sondern auch mitsamt Kopf, Füßen und Innereien. Aber das zeigt man dem Verbraucher natürlich nicht – jedenfalls nicht dann, wenn das Huhn tot ist. Und tot ist es nun einmal, wenn es in den Handel kommt. Punkt.

 

Chicken Head

 

Im Englischen gibt es diesen Ausdruck ‚like a headless chicken‘ – wie ein kopfloses Huhn, das umher rennt, obwohl es eigenlich keinen Kopf mehr hat … unsere Hühnchen, die wir als Lebensmittel kaufen, sind alle ‚headless chicken‘. Aber sie sind nicht nur kopflos, nein – sie haben eine immens große Brust. Die wurde ihnen angezüchtet, so dass dem Verbraucher Hühnerbrust’filet‘ verkauft werden kann. Da sieht man dann in der Auslage im Supermarkt oder beim Discounter weder Beine, Körper oder Haut – nur noch pures Fleisch!

Wäre es nicht toll, wenn man die Hühnchen nicht gleich kopf-, fuß- und hautlos züchten könnte, so dass man sich mit der ‚Entsorgung‘ der unerwünschten Teile gar nicht erst abgeben muss? Wohin denn bloß mit den Innereien?

 

Atwoodchickenpluck

 

Hühnersuppe ohne Innereien ist keine Hühnersuppe! Sagte jedenfalls mein Großmutter immer. Und Hühnerfett? Kein Hainan Chicken Rice ohne Hühnerfett.

Lasst mich den Gedanken noch ein bisschen weiter spinnen.

Fleisch ohne Tier. In vitro (das bedeutet in etwa ‚aus dem Labor‘). Ist das dann vegan?

Oder gehen wir den nächsten Schritt. Schweine, in die mittels genetischer Manipulation menschliches Gewebe gezüchtet wird? Quasi lebende Organbanken?

Oder ist dies nur eine dystopische Zukunftsvision, wie sie Margaret Atwood in ihrer MaddAddam Trilogie beschreibt? Eine Zukunft, die, wenn man sich ihr hingibt, gar nicht so unrealistisch erscheint?

 

Dark Chicken

 

Die Massentierhaltung der Fleischindustrie ist gar nicht mehr so weit entfernt von Frau Atwoods Visionen – wenn man nur beginnt, darüber nachzudenken.

An dieser Stelle sollte ich etwas mehr über Margaret Atwood sagen. Ihr bekanntester Roman „The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd“ wurde nicht nur von Volker Schlöndorff unter dem Titel „Die Geschichte der Dienerin“ verfilmt, sondern auch mit großem Erfolg in einer MGM Produktion fürs TV in einem Staffel-Format adaptiert. Um die Verfilmung ihrer MaddAddam Trilogie bemühen sich derzeit einige Produktionsfirmen, aber das Thema ist nicht nur hochkomplex, sondern auch (vermutlich) unerwünscht. Ich empfehle dem interessierten Leser die drei Bücher von Margaret Atwood: Oryx und Crake, Das Jahr der Flut und Die Geschichte von Zeb.

Fleisch ohne Tier – das wird die Zukunft. Ob das nun vegane Burger sein werden (die es ja bereits gibt) oder gar ‚in vitro Fleisch‘. Die Menschheit wird zweigeteilt werden. Die Fleischfresser und die ‚modernen‘ Veganer, die zwar auch Fleisch essen, aber es wird nicht mehr von Tieren mit Köpfen, Füßen und Innereien kommen.

 

Chicken Soup

Wohin geht diese Welt? Werden wir enden, wie es Margaret Atwood beschreibt?

Brandaktuell gehen Horrornews über eine „wahrscheinliche Pandemie“, ausgelöst durch den Coronavirus aus Wuhan in China durch die Medien. Könnte das … ? Nein, natürlich nicht!

Ausgelöscht durch eine Pandemie, verursacht von ‚brainiacs‘? Oder besinnen wir uns auf die ‚alten Werte‘ und bringen den Tieren, die wir essen wieder die Wertschätzung entgegen, die sie verdienen?

 

Soto Ayam

 

 

Kategorien:Allgemein, Blog, Nose to Tail Eating, UncategorizedSchlagwörter:, , , , , , , ,

6 Kommentare

  1. Wenn ein Tier schon für den Eigenkonsum sterben musste, dann sollte man auch so viel wie möglich von ihm verwerten, denke ich- 😞

    Außerdem bin ich der Meinung, dass sich viel zu wenige Leute Gedanken darüber machen, was sie essen, und woher ihr Essen kommt (= in den meisten Fällen durch die Tötung lebender Wesen). Insofern mag ich deine Bilder zu dem Text sehr. Klingt vielleicht strange, aber du verstehst hoffentlich- 😊

    Viele Grüße! VVN

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    • Aber natürlich verstehe ich – und bedanke mich auch sehr herzlich für Deinen Kommentar. Und ja – genau so ist es. Viel zu wenige machen sich Gedanken. Ich würde mir natürlich wünschen, dass dies Hunderttausende lesen, aber da bleibt es wohl beim Wunsch. Und trotzdem – man kann es teilen, andere drauf hinweisen … es ist starker Tobak, ja. Aber nötig, wie ich meine.

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      • Absolut nötig! Und das sage ich als totaler Carnivore! 😉

        Ich finde es auch geradezu dumm, wie von sehr vielen Menschen Doppelstandards angewendet werden: die gegrillte Hühnerbrust in Paprikasahnesoße ist „ja sooo lecker“, aber: „Hühnerleber oder gar HühnerFÜßE?! Eklig, geht gar nicht!“

        Und so eine Haltung gibt es imho bei jedem Tier, das auf dem Teller landet! 😒

        Das ist traurig. Nicht, dass ich nun ständig irgendwo Hühnerfüße bestelle, obwohl es sie in einem meiner Lieblings-Restaurants auch gibt- ^^

        Will nur sagen: wieso das ungleiche Maß? Wahrscheinlich, weil in dieser Gesellschaft alles ästhtetisch und hübsch sein muss. Allerdings stirbt eben ein Tier. Nicht hübsch- (!) 😒

        VVN

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  2. Guter Beitrag – eines dieser Themen, die mich immer wieder umtreiben. Ich esse (noch) Fleisch, weil ich es mag. Ich habe jedoch große moralische Bedenken, auch wenn ich sehr bewusst einkaufe. Egal wie gut das Leben des Tieres auch gewesen sein mag (Freiland) und wie respektvoll ich es verarbeite (nose to tail), am Ende wurde es produziert um für mich zu sterben. Das ist unmoralisch und spricht nicht für mich. Nach diese Selbstanzeige aber zur Sache:

    Wir hatten am Ort einst einen Metzger, der vom Huhn nur die Brust verkaufte und die auch noch ohne Haut. Auf Nachfrage erklärte man mir, die Kunden würden nur das wollen. Ich wollte den Unsinn nicht und habe so erst Monate später bemerkt, dass das Geschäft dauerhaft geschlossen war. Ob ich Kopf und Füße in meiner Küche verwenden würde, weiß ich nicht, hier fehlt mir die Erfahrung. Bislang ging ich in Frankreich davon aus, dass man mir mit dem ganzen Tier die Frische, i.e. die Qualität des Huhnes zeigen wollte.

    Mit dem tierischen Ersatzteillager für den Menschen habe ich kein Problem – im Gegenteil. Viele Menschen warten lange, zum Teil vergebens auf ein Spenderorgan. Wir lassen unverändert zum Teil erbärmliche Haltung von Vieh in konventionellen Mastbetrieben zu, wir wollen billige Milch und müssen letztendlich deswegen Kälber für weniger als acht Euro verschleudern. Leute, was wollt ihr: lieber eine lebensrettende Spenderniere vom Bio-Schwein, oder Nierchen süß-sauer von einer gequälten Kreatur? Ich glaube die Antwort zu kennen, leider.

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  3. dem ist nichts hinzuzufügen! Und ich geh jetzt in die Küchen -Hähnchenlebern putzen

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