Ofenpaprika | Mädelsessen



‚Fingerfood für Fäuste, Beef!, Tomahawk Steak, pulled Pork‘ – alles catchphrases für ‚echtes‘ Männeressen! Klar braucht man solches Futter für Männer, haben sie doch Kreuze wie Flugplätze, Schultern wie Findlinge, Oberarme, deren Anblick bereits Hemdsärmelnähte platzen lässt. Weiter reden wir nicht – das muss jugendfrei bleiben 😉

Und jetzt geht die WHO her und setzt Fleisch auf den Krebsindex! Himmel hilf!!! Da werden den Werbefuzzies noch für etliche Monate die Köpfe rauchen, bis da der verlorene Boden wieder gut gemacht ist. Vielleicht hat es aber auch einen Synergieeffekt. Wenn die Leute wegen dieser Warnung weniger Fleischwaren kaufen, dann reduziert sich auch der Produktionsdruck der Massenbetriebe. Vielleicht gibt es hierdurch wieder ein wenig mehr Umdenken der Verbraucher, weg von Quantität, hin zu Qualität. Den meisten Mädels kommt das eh‘ entgegen. Die essen sowieso weniger Fleisch. Nur weil es der Kerl auf den Tisch haben will, bereitet es die treusorgende Gefährtin zu, und beisst auch gleich noch in den sauren Apfel (ähh – das Steak), weil es eh‘ auf dem Tisch steht.

Nun bin ich einer der Kerle, der für die Missus kocht – nicht umgekehrt. Ein Held des Herdes! Und was macht so ein Kerl, wenn die Missus sich entscheidet, Fleisch grundsätzlich zu meiden? Er muss umdenken!

Hektisch werden bei jeder Gelegenheit Rezeptideen und Kombinationen auf die überall herum liegenden Zettel und Listen geschrieben, die sich für ‚Sowohl-als-auch-Gerichte‘ eignen – Fleisch für den Kerl, tierfrei für die Missus! Manchmal gerate ich da in Situationen, die mir kaum mehr einen Ausweg lassen. Entweder muss die Missus wenigstens die Brühe vom Fleisch essen, oder ich falle buchstäblich vom selbigen, weil ich nicht fleischlos essen kann (na gut: ‚mag‘). Ab und an lässt aber dann mal eine höhere Macht Hirn regnen und heraus kommen solch tolle, einfache Gerichte, die vollkommen vegan sind, aber für den Kerl durchaus mit tierischen Komponenten so aufgepeppt werden können, dass es nahrhaft genug wird, um das Kreuz, die Schultern und das ganze Machogedöns zu erhalten 😉

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Für diese Ofenpaprika braucht ihr maximal 20 Minuten Vorbereitungszeit – den Rest erledigt der Ofen in einer weiteren Stunde. Wie klingt das für die unter euch, die eigentlich keine Zeit zum Kochen haben?

Zutaten für 2 Personen

2 große Paprikaschoten (beim Einkauf darauf achten dass sie 4 Segmente haben, nicht 3)

2 große, reife Tomaten

1 – 2 Knoblauchzehen, geschält und in dünne Scheibchen geschnitten

2 – 4 Chilies, fein gehackt (optional)

16 Kalamata-Oliven, abgetropft

1 kleines Glas feine oder sehr feine Kapern (Surfings oder Nonpareilles), abgetropft

1 Bund Rucola, geputzt, gewaschen und geschleudert

einige Basilikumblätter (optional)

etwas Meersalz

100 ml bestes Olivenöl extra vergine

Weißbrot oder Ciabatta

und für die Kerle: 

einige Scheiben Bressaola oder Bündner Fleisch, etwas Zitronensaft und schwarzer Pfeffer aus der Mühle

Beste Sardellenfilets (ich empfehle dringend die spanischen Anchoas von Ortiz – die sind zwar sauteuer, aber jeden Cent wert!)

Bei den Paprikaschoten ist es wichtig, dass die 4 Segmente haben, denn nur so lassen sie sich perfekt längs halbieren und bleiben in der Form liegen, ohne zu kippen. Mit einem scharfen Messer längs durchschneiden, auch durch den Stiel. Das Innere entfernen und die weißen Ränder trimmen. Den Backofen (Ober- und Unterhitze) auf 190°C vorheizen.

Einen großen Topf mit Wasser zum Kochen bringen, die Tomaten kreuzweise einritzen und für 15-20 Sekunden ins kochende Wasser geben. Dann sofort abgießen und unter fließend kaltem Wasser abschrecken. Haut abziehen, die Tomaten halbieren und den harten Strunk herausschneiden.

Die Paprikahälften auf ein Bett von Rucola in eine ofenfeste Schüssel setzen und je 4 Oliven, einige Scheibchen Knoblauch, 1 TL Kapern und eine Messerspitze gehackte Chilies in die Paprikahälften verteilen.

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Die Tomatenhälften mit der angeschnittenen Seite nach unten in die Paprikahälften setzen. Mit Sardellenfilets (optional) oder mit einigen Basilikumblättern abdecken. Alles mit 100 ml Olivenöl beträufeln (besonders die Schnittränder der Paprika) und für ca. 1 Stunde bei 190°C im Ofen auf unterer oder mittlerer Schiene garen. Nach 45 Minuten ggfs. Temperatur etwas zurück nehmen. Die Ränder sollten nicht schwarz werden.

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Wer mag legt die Bressaola oder das Bündner Fleisch auf einem Teller aus, mariniert es mit einigen Spritzern Zitronensaft und etwas schwarzem Pfeffer aus der Mühle.

Wenn die Ofenpaprika fertig sind, werden sich die austretenden Flüssigkeiten aus dem Gemüse mit dem Olivenöl zu einer wunderbaren Sauce vermischt und dem zusammengefallenen Rucola sein Dressing gegeben haben. Mit reichlich Weißbrot oder Ciabatta zum auftunken der Sauce servieren.

Dazu trinke ich gerne einen blitzsauberen Rosé von Pepi Umatum…leider oft ausverkauft.

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Kategorien:Basics, VeganSchlagwörter:, , , , , , , , , , , , , ,

5 Kommentare

  1. Also, dass sich das Denken der Leute bezüglich ihres Fleischkonsums mal ein wenig verändert, befürworte ich sehr stark. Was nicht heißt, dass Fleisch generell vom Speiseplan entfernt werden soll. Fleisch ja, aber eben bewusst. Und wenn es für den männlichen Körperbau so zuträglich ist, darf das Fleisch auf keinen Fall auf einem heroischen Teller fehlen! Ist doch blöd, wenn sich die Gefährtin einen blauen Fleck holt, wenn sie sich an eine starke Schulter lehnen will. *lach
    Deine Ofenpaprika ist genau nach meinem Gusto. Allein schon wegen der Kapern. Und weil es im Ofen wie von alleine geht. Ich stehe doch so ungern in der Küche… :))))
    Ich werde das auf jeden Fall nachmachen. Und Fleisch wird es dazu auch geben! Bressaola…auf jeden Fall! Mal sehen ob ich einen finde, der sich erbarmt die volle Eiweißdröhnung des tierischen Beiwerks in Muskelmasse umzuwandeln.
    Ich werde berichten (also wie es geschmeckt hat…)
    Liebe Grüße und gerne weitere Fleischlos-Gerichte
    Tanja

    Gefällt 1 Person

    • Entgegen meiner ziemlich ausgeprägten Machogene gebe ich unumwunden zu, dass ich diese Ofenpaprika glatt auch ohne Fleisch esse – nur die Fischchen müssen für mich unbedingt oben drauf. Im house gibt es also auch einen stark erhöhten Kaperndurchsatz? Kapern sind das Salz in meinem Salat – ich liiiebe Kapern, genauso, wie Fergus Henderson übrigens – probier mal den Petersiliesalat, da sind auch Kapern drin 😉
      Liebe Grüße aus der fleischreduzierten Küche
      Tommy

      Gefällt mir

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