Spaghetti alle Vongole veraci



Die besten Spaghetti alle Vongole, die ich jemals gegessen habe, gab es in der Osteria Al Mascaron in Venedig. Als ich zum ersten mal dort war, war das eine winzige Kneipe, im Gewirr der Gassen von Venedig versteckt, und wir sind per Zufall dort rein gestolpert – und gestolpert sind wir. Eines Abends in München bei einer Studentenfete in den 80ern saß ich mit meinem Freund Mike zusammen und mir knurrte der Magen. Irgendeine Intelligenzbestie schlug vor, man könne doch zum Italiener um die Ecke gehen. Mike kratzte sich am Kinn und sagte beiläufig: “Ich kenne da auch einen guten Italiener in Venedig…”. Ich: “Lass uns fahren!” Mike: “Hmm – okay!” “Wer fährt mit?” Betretenes Schweigen und Kopfschütteln…doch eine der Studentinnen (die war für ne Studentin damals schon im gesetzen Alter von 30) meldete sich. Wir also Schlafsäcke in den Kombi geschmissen und auf die Autobahn Richtung Süden. Kurze Zwischenstation am Gardasee um 2 Stunden im Heckabteil des Kombis wie die Sardinen in der Büchse zu schlafen und ein Frühstück bei Rino an der kleinen Marina von Manerba. Weiter nach Venedig. Irgendwo auf der Autostrada riss dann der Keilriemen vom Kombi. Na Gottseidank hatten wir ein Mädchen dabei ( die trug Nylons 😉 Wie – Nylons? Uralter fix-it Trick! Der Nylonstrumpf ersetzt den Keilriemen! Geht – wenn auch nur für kurze Zeit. Kurz vor Venedig wurde der Strumpf in einer Werkstatt durch einen adäquaten Keilriemen ersetzt und dann war: Venedig – wir kommen! Wir haben Shrimps am Hafen gegessen, Salumi in kleinen Kneipen, in teure Schaufenster geschaut und sind abends im Mascaron eingefallen – dort gab es die Spaghetti. Wir haben 3 Tage nicht geschlafen, wir haben die damals einzige Disco in Venedig ausfindig gemacht, uns mit dem Sohn von Regisseur Michelangelo Antonioni (das ist der, der Blow up und Zabriskie Point gedreht hat) geprügelt und wieder vertragen, wären fast unter die Räder gekommen, und haben alles überlebt. Etwas streng riechend fuhren wir zurück nach München…

Für 2 hungrige Esser

500 g Spaghetti (oder Linguine)

1 kg Venusmuscheln

2 Zehen Knoblauch, fein gehackt (wer eine Knoblauchpresse verwendet, soll in der Hölle schmoren…!)

1 – 2 kleine scharfe Chilies, in dünne Scheibchen geschnitten und halbiert

1 großer Strauß glatte Petersilie, Blätter abgezupft und grob gehackt

6 – 8 EL Olivenoel

1 großes Glas Weißwein (von solchem, den man auch trinken würde – nicht so’n Plonk, der oft als “Kochwein” bezeichnet wird…)

200 g Meersalz

Die Muscheln gut waschen, solche, die sich auch nach Klopfen mit dem Fingernagel nicht schließen, wegwerfen, und dann für ca. 1 Stunde in reichlich kaltes Salzwasser (etwa so salzig, wie Meerwasser) legen. Die Muscheln werden sich ‚wie zu hause‘ fühlen, sich leicht öffnen und den ganzen Schmutz und Sand herausfiltern. Ggfs. nach 1/2 Stunde das Salzwasser nochmals wechseln.

Einen großen Topf (je größer desto besser) mit Wasser zum kochen bringen und ca. 150 g Meersalz (jaaa, so viel, denn die Nudeln sollen das Salz etwas annehmen, denn später wird nur noch ein wenig Pfeffer über das fertige Gericht gestreut) dazu geben (kein Öl – das ist Unsinn & Verschwendung!)

Das Öl mit dem Knoblauch in einen für die Muscheln ausreichend (keinesfalls zu groß – wenn die Muscheln drin sind, sollte er zu ca. 75% gefüllt sein) großen Topf (der sollte einen recht dicht schließenden Deckel haben) geben und langsam erhitzen (den Knoblauch nicht braun werden lassen). In der Zwischenzeit die Muscheln abgießen und mit reichlich lauwarmem Wasser abspülen. Die Spaghetti in das kochende Salzwasser geben. Dann den Topf mit dem Öl voll erhitzen und den Weißwein angießen (es soll sprudeln). Die Muscheln und die gehackten Chilies dazu geben und den Topf mit dem Deckel fest verschließen und ab und zu kräftig rütteln. Die Muscheln brauchen etwa 3 – 4 Minuten um gar zu werden und sich zu öffnen. Wenn sich alle geöffnet haben, den Deckel abnehmen und für 1 – 2 min. weiter köcheln lassen.

Währenddessen sollten die Spaghetti etwas 6 min. gekocht haben (sie sollten nicht mehr hart, aber noch etwas mehr als bissfest (al dente) sein). Die Spaghetti abgießen. Die Muscheln mit der Sauce in den Spaghettitopf schütten, die Spaghetti darüber und wieder auf die heiße Platte damit, auf der die Spaghetti gekocht hatten. Alles gut durchmischen und den Deckel drauf und nochmals ca. 1-2 Min. dämpfen lassen (auch hier kann wiederholtes Rütteln nichts schaden, den wir wollen, dass die Spaghetti die Sauce weitestgehend absorbieren und fertig garen (die waren ja noch etwas härter, als wir sie abgegossen haben, nicht wahr?) Eine Spaghetti probieren und wenn sie al dente sind, die grob gehackte Petersilie über das Ganze streuen und noch mal gut durchmischen. Auf einer großen Platte servieren und ein wenig schwarzen Pfeffer aus der Mühle darüber – keine Garantie für ähnliche Venedig-Abenteuer!

Etwas Brot dazu – Vinschgauer schmeckt richtig Klasse und den Rest vom Weißwein servieren. Natürlich einen Italiener!

Mit italienischem Rock ’n‘ Roll…Eros ist zwar purer Kommerz, aber ich mag ihn!

Kategorien:HausMANNSkost, KlassikerSchlagwörter:, , , , , , , , , , , , , , ,

2 Kommentare

  1. Ach wie schön, die Touren kenne ich. Bei uns war es immer Florenz, 5 Leute in ein Auto, hinter dem Gotthard bei Milano den ersten echten Espresso und echtes Dolce Vita, (was man sich damals so drunter vorgestellt hat). Ach so, ja klar das Muschelrezept ist natürlich auch super 😉

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  2. Eine herrliche Geschichte zum tollen Rezept, Danke. 🙂

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