Gebratener Hornhecht


Man sollte meinen, dass in Zeiten eines Lockdowns die Stunde des Home-Cookings und der Blogschreiber gekommen wäre. Doch nichts ist wie es sein sollte. Ich lese in dieser Zeit mehr als ich schreibe, allerdings eher gute Literatur als Foodblogs, denn an jener Front gibt es derzeit kaum noch neue Artikel, die mit dem gewohnten Esprit geschrieben und daher lesenswert wären. Es kommt einem so vor, als wären viele Blog-Autoren und Rezepteschreiber im Endstadium eines akuten Lagerkollers. Da werden Rezepte lieblos und langweilig runtergehackt und oft mutet die Zusammenstellung der Zutaten etwas bemüht, wenn nicht gar abenteuerlich an. Im Gegenzug erhöht sich die Frequenz – es wird in der Tat vermehrt zuhause gekocht und auf Social Media Kanälen erwartet einen täglich eine Flut an Tellern mit bunten Gerichten, die man nicht zwingend mehr als einmal auf demselben haben möchte.

Auch die News mag man nicht mehr täglich lesen. Widersprüchliche Nachrichten aus denselben Quellen, wilde Spekulationen, Anfeindungen, und unser föderales System mutet derzeit an wie ein Hühnerstall! Schon bei Tagesanbruch fühlt man sich, als hätte man soeben eine intensive Massage mit Sandpapier erhalten … natürlich von jemandem mit Mundschutz. Da überrascht es kaum, wenn auch dem humorvollsten Autoren das Schreiben vergeht und dem ambitioniertesten Home-Cookie das Kochen.

Aber dann flattert einem ein Newsletter ins Haus, über einen Fisch aus der Ostsee der jetzt seine sehr kurze Saison hat. Der Hornhecht (Belone belone) – ein schlanker Oberflächenfisch mit einem langen spitzen Maul mit nadelartigen Zähnen. Anfang Mai wird er für ca. drei Wochen an der Mecklenburgischen Ostseeküste geangelt und weil ‚Yours truly’ nur 80 km von jener Küste entfernt wohnt, bekommt er den innerhalb von 24 Sunden nach dem Fang in die Küche.

 

TMC_Hornhecht

 

Mir wird oft nachgesagt, dass meine Zutaten und Rezepte zu wenig mainstream wären, zu außergewöhnlich, zu exklusiv, zu unbekannt, zu teuer. Klar, point taken – das ist meiner angeborenen Neugier geschuldet. Ich probiere gerne Neues und Unbekanntes aus – und ganz besonders in der Küche.

Mit dem Hornhecht ist das auch so, aber doch nicht wirklich. Früher wurde er „der Aal für arme Leute“ genannt und auch heute reißt er kein großes Loch ins Portemonnaie. Ein ganzer Hornhecht mit Kopf (ausgenommen) von etwa 6-700 g geht hier für ca. 7 Euro über den Ladentisch. Es ist die Regionalität und die sehr kurze Saison, die den Hornhecht „rar“ macht, und wahrscheinlich auch die mangelnde Nachfrage, denn nur wer ihn kennt, weiß ihn zu schätzen. Das Fleisch ist weiß und fest und äußerst schmackhaft – vielleicht mit Wolfsbarsch vergleichbar. Für mich: eher besser! Wolfsbarsch kommt fast ausschließlich aus Zucht/Aquakultur auf den Markt und das schmeckt man auch. Hornhecht würde ich eher mit Wolfsbarsch aus Wildfang vergleichen – aber der kostet fast das 10-fache.

 

Hornhecht_frisch

 

Beim Rezept hat sich ‚Yours truly’ für die klassische Zubereitung entschieden – leicht mehliert, etwas Salz und in feiner Butter gebraten. Die Pfanne mit etwas Zitronensaft ablöschen, ein wenig Olivenöl und weißer Pfeffer aus der Mühle dazu ergibt die Sauce. Ein Kartoffelsalat mit Gurke und Salicornes (Queller/Meeresspargel) dazu … ein echter Gaumenschmaus!

 

Für den Kartoffelsalat (reicht für 4)

1 kg festkochende Kartoffeln (vorzugsweise französische La Ratte oder Bamberger Hörnchen), gekocht, geschält und in 5 mm Scheiben geschnitten

1 Gurke, halbiert, die Samen mit einem Teelöffel entfernt, und in 5 mm Scheiben geschnitten

1 große Handvoll Salicornes (Queller), in Wasser (ohne Salz – das Gemüse wächst in Salzwasser und ist daher quasi „vorgewürzt) für 5 min. blanchiert und grob geschnitten

300 ml hausgemachte Vinaigrette (1 zerdrückte Knoblauchzehe mit 1 TL Salz und 1 TL weißem Pfeffer aus der Mühle mit 50 ml Weißweinessig 30 min. ziehen lassen, Knoblauchzehe entfernen und mit je 1 EL Dijon-Senf und Mayonnaise sowie 200 ml feinem Rapsöl in einem dicht schließenden Behälter gut durchschütteln)

Alle Zutaten vermengen.

 

Für den Hornhecht (p.P. ein Hornhecht von ca. 600 g)

Kopf und Schwanz abschneiden und die Fische in 2 Stücke teilen.

Leicht mehlieren und salzen und bei mittlerer Hitze mit etwas feiner Süßrahmbutter in einer großen beschichteten Pfanne braten (insgesamt ca. 10 min. – mehrmals wenden).

 

Hornhecht_pfanne

 

Fischstücke aus der Pfanne nehmen und warm stellen.

Hitze erhöhen und den Bratfond mit dem Saft einer Zitrone loskochen. 3-4 EL feines Olivenöl und reichlich weißen Pfeffer aus der Mühle dazu geben. Gut umrühren und fertig ist die Sauce.

Mit dem Kartoffelsalat und Zitronenspalte servieren.

 

Hornchecht_Teller

 

Der Hornhecht hat übrigens grüne Gräten – was das Essen ungemein erleichtert, weil sie deutlich sichtbar sind. Trotzdem keine Bange! Sie lassen sich sehr leicht lösen und sind auch bei weitem nicht so zahlreich wie beim Süßwasserhecht. Die Grünfärbung kommt vom Biliverdin, einem Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin und ist weder giftig noch unansehnlich – im Gegenteil! Wir finden das sehr spannend.

 

Hornhecht_Gräten_1

 

Wer nicht in der Nähe der Ostsee lebt kann Hornhecht in der Saison beim Fischkaufhaus der Müritzfischer online bestellen. Kommt mit Übernacht-Express gut gekühlt an.

Wie immer entstand auch dieses Rezept in der Testküche von d. die Pfanne® – der Marke für hochwertiges Kochgeschirr und Küchenaccessoires.

https://www.diepfanne.com

Keep cookin‘!

 

Hornhecht_Graeten

 

 

 

Kategorien:Allgemein, HausMANNSkost, Klassiker, UncategorizedSchlagwörter:, , , , , , , , ,

8 Kommentare

  1. Guten Abend, lieber Tommy!

    Schön, wieder von dir zu lesen! Auch finde ich es keineswegs schlecht (= „es wurde dir zum Vorwurf gemacht“), dass du mit deinen Rezepten doch eher außergewöhnlich unterwegs bist! Das macht deinen (Koch-)Blog schließlich u.A. so lesenswert! 😊

    Beispielsweise habe ich noch nie Wolfsbarsch oder Hornhecht gegessen, aber durch deinen kleinen Exkurs direkt wieder Wissen mitgenommen, und das eben *NICHT NUR* über’s Kochen. Und besser geht es doch nicht! 😉

    Die Bilder haben mich außerdem beeindruckt. Da steckt ebenfalls viel Liebe drin!

    Herzliche Grüße! Seid ihr denn alle gesund und munter dort im Norden? VVN 😊

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    • Servus lieber Valentin und ganz herzlichen Dank für die Blumen!
      Hornhecht lohnt sich sehr mal zu probieren – aber die Saison ist kurz. Ich bin nicht sicher, ob die Müritzfischer/Fischkaufhaus dieses Jahr nochmals welche bekommen …
      Das Foto von mir (hat meine Frau mit dem Handy geschossen) ist ausnahmsweise mal eins, was mir auch selbst sehr gut gefällt 🙂 – sie hat ein gutes Auge 😉
      Ja – alles gesund bei uns … Golfplätze sind ja glücklicherweise seit 20. April schon wieder offen – so kommt auch die Bewegung an der frischen Luft nicht zu kurz. Bei Euch auch alles gut? So langsam läuft ja das Land wieder an … Herzlichen Gruß!

      Gefällt 1 Person

  2. Oh wie toll wieder etwas von dir zu lesen und dann kommst du gleicht wieder mit sooo einem tollem Rezept um die Ecke, köstlich, das weiß ich ohne es zu probiert zu haben!
    Danke und viele Grüße,
    Jesse-Gabriel

    Gefällt 1 Person

  3. Lieber Tommy!

    Herr Carax und ich haben dich soeben für den „Awesome Blogger Award“ nominiert! https://caraxvannuys.blog/2020/05/26/awesome-blogger-award/ 😊

    Wir feiern deinen Blog, daher herzlichen Glückwunsch, ob du nun annimmst, oder nicht! Es gibt dafür übrigens kein Zeitlimit. Herzlichste Grüße und weiter so! 😇

    Herr Carax und VVN

    Gefällt 1 Person

    • Na Dankeschön … mmmpffhhhihihi 😉 und was muss ich nun tun?

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    • .. auch einen Beitrag schreiben mit Antworten auf die Headlines?

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    • … ach ja, natürlich – DANKESCHÖN – das ehrt mich sehr! Nee .. echt jetzt: Ich werde nicht oft so gelobt (vielleicht weil ich meist ein wenig frech mit meiner Schreibe bin), aber ich habe andererseits sehr, sehr treue Follower und das motiviert mich immer wieder weiter zu schreiben … auch wenns nur Rezepte sind – den Rest … nun ja, ich lese lieber, als dass ich schreibe 😉

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